Unterfrankens SPD setzt auf "rote Ärztin"

Presse

Mit der Doppelspitze Sabine Dittmar (Maßbach) und Bernd Rützel (Gemünden) zieht die unterfränkische SPD in den Bundestagswahlkampf. Beim Bezirksparteitag am Samstag in Bad Königshofen legten 100 Delegierte die Reihenfolge der Kandidaten fest, mit der die Unterfranken-SPD in die Verhandlungen um die besten Plätze auf der Landesliste geht.

Freudestrahlende Gesichter ringsum: SPD-Bezirksvorsitzender und Noch-Bundestagsabgeordneter Frank Hofmann (links) gratulierte Sabine Dittmar, ebenso wie Europaabgeordnete Kerstin Westphal, Listenkandidat René van Eckert aus Mellrichstadt, MdB Susanne Kastner und Unterbezirksvorsitzender Jürgen Hennemann (im Bild von rechts).
Fotos: Ralf Kestel

Die wird am 8. Dezember in Dingolfing aufgestellt. Dabei dürfte Sabine Dittmar ein sicherer Listenplatz nicht zunehmen sein. "Sie hat sich in ihren vier Jahren als Landtagsabgeordnete schon eine große Reputation innerhalb der Bayern-SPD erworben", weiß der Vorsitzende ihres Unterbezirks Rhön-Grabfeld, Jürgen Hennemann (Ebern). Und dies bestätigte auch der Landesvorsitzende, MdB Jürgen Pronold, der sich auf seine neue Fraktionskollegin zu freuen scheint, wie sich im Gespräch mit unserem Portal zeigte.

Zwei Unterfranken in Berlin

Bislang stellt Unterfranken zwei der 16 Bundestagsabgeordneten aus Bayern: Susanne Kastner aus Maroldsweisach und Bezirksvorsitzenden Frank Hofmann aus Würzburg. Beide ziehen sich zurück, so dass die Delegiertenkonferenz am Samstag eine Zäsur und einen Generationenwechsel vollzog.

Den hatte der Bezirksvorstand sorgsam vorbereitet. Einzig bei den männlichen Kandidaten kam es zu einer Kampfabstimmung, da für die ersten beiden Plätze jeweils zwei Kandidaten benannt worden waren.

Eine klare Stellungnahme kam vom Untermain: Die Landtagsabgeordnete Karin Pranghofer forderte unmissverständlich einen guten Listenplatz für den Krankenpfleger und Personalrat am Aschaffenburger Klinikum, Andreas Parr (Goldbach), da der Unterbezirk Aschaffenburg seit 1976 kein Bundestagsmandat mehr hatte. "Wir haben stets das Prinzip geachtet, dass Amtsinhaber bevorzugt werden. Aber weil es jetzt sichere Wechsel geben wird, wollen wir uns nicht mehr hinten einreihen", lautete die Botschaft von der Grenze zu Hessen am Tagungsort unmittelbar an der Grenze zu Thüringen.

Der Appell indes verhallte ungehört, manches fanden's unerhört: Parr (41) unterlag klar gegen den Eisenbahner-Amtsrat und -Gewerkschafter Bernd Rützel (44) aus Gemünden (Unterbezirk Main-Spessart/Miltenberg), der aktuell ein großes Logistikzentrum in Darmstadt leitet.

Beim Votum über Listenplatz 2 indes setzte sich Parr gegen Ralf Hofmann (45) aus dem Wahlkreis Schweinfurt-Kitzingen deutlich durch (64 zu 35 Stimmen) und Hofmann musste sogar als einziger Kandidat für Platz 3 noch 15 Gegenstimmen bzw. Enthaltungen hinnehmen, was Wahlleiter Kay Blankenburg in vertrauter Runde als "absolute Frechheit" kommentierte.

Frauen waren sich einig

Keine "Stutenbissigkeit" indes bei der Frauen-Rangfolge, da es für Platz 1 und 2 jeweils nur einen Vorschlag gab: 85 Prozent heimste dabei Sabine Dittmar (48) für Platz 1 ein, 92 Prozent Homaira Mansury (34) aus Würzburg gab's für Platz 2.

Obgleich Bundestagsabgeordnete Susanne Kastner im Vorfeld schon einmal auf 99 Prozent für ihre Nachfolgerin spekuliert hatte, analysierte sie den Wahlausgang letztlich als "Super- und Traumergebnis". Die Maroldsweisacherin baut auf Erfahrung: "Es gibt immer ein paar Gegenstimmen. Das hängt mit Enttäuschungen in den Kreisverbänden bei den anderen Abstimmungen zusammen. 85 Prozent sind eine gute Basis - und dann lässt sich auch noch etwas steigern", weiß die Abgeordnete, die 1986 auf dem 26. Platz der SPD-Landesliste beinahe in den Bundestag eingezogen wäre, dann aber erst als Nachrückerin ihre Karriere in Bonn und Berlin startete, die nun ausklingt.
Für die nächste Bundestagswahl im September 2013 erwartet Kastner "20 plus x Abgeordnete aus Bayern im Bundestag". Somit auch beste Chancen für "Zug"-Pferd Bernd Rützel.

Fairen Wahlkampf angekündigt

Die neue Spitzenkandidatin Unterfrankens, die Landtagsabgeordnete und Ärztin Sabine Dittmar, war mit ihrem Ergebnis "sehr zufrieden". Die Maßbacherin: "Ich freue mich jetzt auf einen fairen Wahlkampf und starte voll motiviert los."
In der zehnminütigen Vorstellungsrede, die jedem Kandidaten eingeräumt worden war, hatte Dittmar gleiche Bildungs-Chancen ("Ich habe vom Schüler-Bafög und dem zweiten Bildungsweg profitiert") und eine Gesundheitsversorgung unabhängig von Einkommen, Krankenkasse oder Wohnort als einige ihrer politischen Ziele
ausgegeben.

Der GAU im Grabfeldgau

Sie tagten in der Provinz, schauten aber hoffnungsvoll in die Großstädte, auch wenn die urbanen unterfränkischen Kandidaten nicht an vorderster Front zum Zuge kamen. Die 100 Delegierten der Unterfranken-SPD setzen ihre Hoffnungen auf einen aus der Landeshauptstadt: Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, der vom Marienplatz ins Maximilianeum umziehen soll, geht es nach den Sozialdemokraten im Freistaat.

Und auch im Grabfeldgau gingen die Vorbereitungen weiter, um den Super-GAU der CSU bei der Landtagswahl im nächsten Jahr zu zünden: Machtwechsel lautet die Zauberformel, die Landesvorsitzender Florian Pronold kurz vor der Explosion wähnt. "Es gibt keinen Tag, an dem in dieser Koalition kein Streit herrscht. Der Seehofer droht einmal mit dem Bruch in Berlin und dann in München." Pronolds Antwort darauf fiel kurz aus: "Mach's doch!" Dann gebe es nach 55 Jahren wieder eine Regierung in München ohne die CSU.

Daher freute sich Pronold über die Tagung in der Frankentherme: "Die Schwarz-Gelben haben eine Erholung verdient, und wenn wir sie abgelöst haben, können wir sie nach Königshofen schicken und wir machen die bessere Arbeit."

Generationswechsel

Der Landesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete zeigte Demut: "In Unterfranken steht ein Riesen-Wechsel an, da Susanne (Kastner) und Frank (Hofmann) gehen, mit denen ich elf aufregende Jahre in Berlin erlebt habe." Bei den Nachrückern handele es sich um qualifizierte Leute mit "unterschiedlichem Hintergrund und Beruf und ich freue mich, dass selbst beim Kampf um Direktmandate neuer Schwung reinkommt", lobte der SPD-Landes-Chef, der einen Machtwechsel forderte, um so manchen "Irrsinn" und "falsche Weichenstellungen", wie etwa beim Betreuungsgeld, schnellstmöglich zu korrigieren.

Viele Kommunen hätten in die Kinderbetreuung vor Ort investiert, auch wenn Bayern im bundesweiten Vergleich noch im hinteren Drittel rangiere. "Deswegen müssen wir die Interessen der Kommunen besser verankern", sagte Pronold zu Bad Kissingens OB, Kay Blankenburg, und stellte dabei den Sieg von Florian Töppner bei der Landratswahl in Schweinfurt heraus. "Wer hätte denn so etwas für möglich gehalten?"

Große Parlamentarierin

"Wir verlieren eine große Parlamentarierin und eine der wichtigsten Frauen der bayerischen SPD, die es zur Bundestags-Vizepräsidentin und Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses gebracht hat", sagte Pronold über Susanne Kastner im Gespräch mit unserer Zeitung. "Als Kollegin hat sie sich immer gekümmert, wenn man sie auf ein Problem angesprochen hat, und wenn sie davon überzeugt war, ist sie mit Feuereifer an die Sache herangegangen und zur Tigerin geworden - und das war gut so." Noch eine Erfahrung steuerte Pronold bei: "Sie ist total charmant, aber wenn man sie als Gegnerin hat, muss man Angst bekommen."

Quelle: Fränkischer Tag

 
 

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